Ventura, Julia

Die Arbeiten  von Júlia Ventura  (geb. 1952)  gelten als wichtiger  Beitrag zur Diskussion über die Fotografie  und deren spezifischen Umgang mit der abgebildeten Fläche. In den »Seascapes«   zeigt  Ventura   zunächst   unterschiedliche  Kompositionen  des  Mediums »Wasser«.  ...

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...Fotografie  # 10 stellt eine leicht bewegte  Wasseroberfläche dar,  während in Arbeit # 14 aufspritzende Gischt die Fläche dynamisch  ausfüllt.  Beiden Fotografien ist die extreme Fokussierung auf das Motiv gemein. Keine Horizontlinie, keine Uferbepflanzung  verrät  die Dimension  des Ausschnitts.  Sehen wir  ein ›Spiel im Wasserglas‹ oder tatsächlich  herangezoomte Ausschnitte  eines gewaltigen Meeres? Bewegen wir uns überhaupt im Bereich der abgebildeten »Natur« oder  hat  Ventura  nur  eine naturhafte Folie für ihre künstlerische Arbeit hergestellt? In jedem Fall aber geht es der Künstlerin nicht alleine um eine Auseinandersetzung mit der Natur, sondern  um die künstlerische Betrachtung   von  Gegensatzpaaren,  etwa  von  der  ›Bewegtheit‹  des  Wassers  und  der ›Starrheit‹ der Fotografie,  die den Moment ›festhält‹. Auch die unbestimmte Tiefe, die unter  (und hinter)  den Wasserflächen  imaginiert  werden  kann,  steht konträr zur Flachheit  des  bedruckten  Fotopapiers.  Venturas   Fotografien  liegen  in  ihrem   Ausdruck zugleich  auch  auf  der  Grenze  zur  Malerei.   Die  ausschnitthafte  Fokussierung  etwa erinnert  an die Seerosen-Gemälde Claude  Monets  und  die vielschichtige  Komposition der (Wasser-)Tropfen kann  mit dem »drop  and dripping«-Prinzip von Jackson  Pollock in Zusammenhang gebracht  werden.  Dieser malerische Duktus  in den Fotografien wird vor allem auch durch  Venturas  Umgang mit dem Licht erzeugt.  Für die Fotografie  von eminenter  Bedeutung  benutzt  Ventura  die Lichtreflexionen zur Gestaltung der Bildfläche  wie ein impressionistischer  Künstler  seine pointierten  Farbsetzungen. So bewegt Júlia Ventura sich mit diesen Arbeiten im weitgespannten Spannungsfeld  von fotografischen Arbeiten zeitgenössischen  Charakters einerseits und traditionellen Ausdrucksformen  europäischer  Kunstgeschichte andererseits. Innerhalb  der  Gattung Fotografie fügt Ventura  einen wesentlichen  Kommentar zum Verständnis von Bild-Fläche und Bild- Tiefe hinzu, der eine elementare  Erweiterung  fotografischer  Ausdrucksformen bedeutet.


Julia Ventura, Untitled (Seascapes) # 10, 2000-2003
Julia Ventura, Untitled (Seascapes) # 14, 2000-2003
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