Neuenschwander, Rivane

Die brasilianische Künstlerin Rivane Neuenschwander (geb. 1967) ist eine der exponiertesten Vertreterinnen einer jungen, lateinamerikanischen Künstlergeneration. Ihre intellektuellen Wurzeln liegen im Minimalismus der 1970er Jahre. …

Mehr...

...Ihre Objekte, Installationen, Filme und Fotografien kreisen um Lebenszyklen und naturhafte Prozesse einer großen Palette von Substanzen wie getrocknete Blumen, Schnecken, Reispapier und getrocknete Insekten. Mit ihrem Gespür für die Flüchtigkeit des organischen Lebens komponiert sie eindrucksvolle Serien von Bildern, die die verwendeten Materialien genau an der Grenze zwischen Existenz und Nicht-Existenz einzufangen scheinen. Dabei wird eine Schönheit des jeweiligen Bildsubjekts erzeugt, deren flüchtige Zerbrechlichkeit unterschwellig stets spürbar bleibt. Durch ihre starke Konzentration auf die formalen Aspekte der Kompositionen sind ihre Arbeiten eng mit einer minimalistischen Ästhetik verbunden. Zugleich deutet die zentrale Rolle, die das Phänomen der Zeit und der ephemere Charakter ihrer Bildelemente in ihrer Arbeit spielt, auch auf ein älteres kunsthistorisches Erbe hin, auf das Neuenschwander selbst verweist: den brasilianischen Barock des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Auch in ihrer Arbeit »Pertence. Não Pertence (Belong. Not Belong)« finden wir die konstituierenden Kompositionselemente von Neuenschwander. In diesen Fotografien hat sie eine oder mehrere schwarze Käfer in leuchtende Seifenblasen, die wie fragile Kuppeln wirken, festgehalten. Die Käfer sind innerhalb des Seifenfilms eingefangen, dünn, empfindlich und ephemer. Die schützenden Hohlräume können jeden Moment platzend auseinanderfallen, die scheinbar leblosen Käfer durch Bewegung das fragile System zerstören. Es ist ein Reigen verschiedener Kompositionen von einem oder mehreren Käfern im Wechselspiel mit maximal drei Seifenblasen. Neuenschwander entwickelt so ein eigenartiges Raumsystem, stets auf der Grenze von Innen und Außen, von Schutz und Gefährdung. Im Verständnis der Künstlerin stehen diese gegensätzlichen Begriffe in einem osmotischen Verhältnis zueinander: »Belong. Not Belong« – auf dieser Grenze zwischen Eingeschlossensein und Ausgeschlossensein arbeitet Neuenschwander. Dabei interessiert die Künstlerin das Ephemere der geschaffenen Bildsituationen, die fragilen Gebilde am Rande der Störung. Die Technik der Fotografie steht diesen gefährdeten Kompositionen konträr gegenüber. Sie manifestiert ein Bild, das schon längst aufgelöst und ausgelöscht wurde.

1– 9 Serie Pertence. Não Pertence (Belong. Not Belong), 2001

C-Print auf Aluminium

70 x 90 cm

Zum Seitenanfang  ↑