Leiberg, Helge

Der Maler, Zeichner und Performance-Künstler Helge Leiberg (geb. 1954) beschäftigt sich seit den 1970er Jahren mit der Wechselwirkung von Musik und Malerei sowie der Darstellung des Tanzes. Der Tanz ist hierbei bildnerisches Leitmotiv – so auch in den sechs Tuschezeichnungen. …

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...Mit wenigen präzise gesetzten Zeichen komponiert der Künstler expressiv-dynamische Figurationen, die sich, trotz ihrer auf das Wesentliche erfolgten Reduktion, über den gesamten Bildträger erstrecken. In Rot oder Schwarz dargestellt, irritieren sie zunächst durch ihre überdimensionierten Extremitäten, ihre Stellungen und ihre äußerlich gleiche Erscheinung. Die Farbspritzungen gehen über das Wesentliche hinaus und fungieren als raumgreifende und die Leserichtung bestimmende Elemente. Leibergs Figurenvokabular erinnert durch die hohen, schlanken Gestalten an archaische Figuren, gleichsam an Elementarzeichen menschlicher Kulturen. Der Künstler inszeniert eine ausladende gestische Bewegungstypologie des Tanzes. Dabei evoziert er beispielsweise Erinnerungen an den Modern Dance einer Mary Wigman oder Gret Palucca oder an die Technik der »contact improvisation«. Hierbei werden innerhalb einer Gruppe von Tänzern Bewegungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers durch Improvisation erkundet. Daneben figuriert Leiberg aber auch Schritte und Bewegungen des Klassischen Balletts wie die Pirouette oder das Plié. Dennoch schleichen sich auch gänzlich andere Assoziationen ein, die sich mit Begrifflichkeiten wie Bedrohung, Beengung oder auch Angriff fassen lassen. Maßgeblich wird dies durch die Farbspritzer und die überlangen Extremitäten hervorgerufen, die man als Drohgebärden der Figuren untereinander lesen kann. Der Tanz als nonverbaler Ausdruck der menschlichen Emotionen und Gesten ist Impulsgeber und Spannungsbogen für Helge Leiberg. Dies thematisiert er auch in seinen Künstlerbüchern in zahlreichen Notationen. Seit bereits 1978 interessieren ihn an diesem Sujet die Dynamik, Anspannung und Kraft der Bewegungsabläufe und zugleich die sozialen Verflechtungen und Kommunikationsmöglichkeiten. Das 1980 entstandene Buch »Bink Bink: Bilder zu Jazz und Dance« mag ein Beispiel dafür sein.

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1–6 OhneTitel,2003

Tusche auf Bütten

je 56 x 75,5 cm

VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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