Klemm, Barbara

Barbara Klemm (geb. 1939) ist als Fotografin stets unterwegs gewesen und hat über Jahrzehnte ihre Sicht auf die Welt in Bilder gefasst. Dabei entstanden neben ihren Porträts und Reportage-Fotografien immer wieder auch Landschaftsaufnahmen...

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...Bei der Sichtung ihres OEuvres wird eine überraschend stringente Linie sichtbar, die ihr nachhaltiges und umfassendes Interesse an sehr unterschiedlichen landschaftlichen Motiven verdeutlicht. Für das Ausstellungsprojekt „Reisenotizen“ im Museum Sinclair-Haus (2014) folgte die Fotografin den Wegen Johann Wolfgang Goethes, der auf seinen legendären Reisen in die Schweiz und nach Italien das Gesehene zeichnete. Dabei bearbeitete er Motivgruppen, die auch die Fotografin seit vielen Jahrzehnten immer wieder in den Fokus genommen hat: Wolken, Wasserfälle und Bäume. Über dieses gemeinsame Interesse an bestimmten Motiven hinaus entstanden, den Koordinaten der goetheschen Reisewege folgend, kongeniale Spiegelungen der zeichnerischen Spuren des Dichters, wie etwa „Weißer Main, Fichtelgebirge“, der „Emmastein“ oder auch die Wasserfälle in der Schweiz. Wenn auch die Landschaft zunächst ein genügsames  – weil stillstehendes – Motiv zu sein scheint, so war Klemm doch immer in Bewegung, immer „auf dem Sprung“: Das Wetter wurde beobachtet, hier vor allem das Licht als wesentliche Grundlage für eine gelungene Fotografie. Das geschätzte Gegenlicht musste eingefangen werden, bestimmte Blickwinkel konnten erst durch aufwendige Spaziergänge und Klettertouren gefunden und eingenommen werden. Zu diesen aktiven Prozessen gehört im Sinn einer Reportage auch, dass sämtliche Aufnahmen ohne Stativ aus der Hand gemacht wurden. Es liegt eine sehr geheimnisvolle Spannung zwischen dem dynamischen Akt des Fotografierens und der Ausgewogenheit, die ihre Landschaftsfotografien am Ende charakterisieren. Klemm erweist sich in der Bearbeitung eines jeden Motivs als „Lichtbildnerin“ im allerbesten Sinne. Hier werden dank ihrer unermesslichen Seherfahrungen die Aufnahmen zur Kunst, hier wählt sie mit untrüglichem Blick den passenden Bildausschnitt und komponiert schließlich durch die souverän beherrschte Kunst der Belichtung Akkorde heller und dunkler Bildflächen auf das Fotopapier. Dabei wird die Frage offensichtlich, die allem künstlerischen Tun zugrunde liegt: Wie fasse ich die „Gegenstände der Natur“? Barbara Klemm greift diese Frage in ihren Fotografien auf und gibt mit jeder fotografischen Arbeit neu souveräne, höchst interessante Antworten darauf.


Barbara Klemm, Wasserfall in der Schweiz, 2002
Barbara Klemm, Wolkenstudie, 1999
Barbara Klemm, Emmastein, 2013
Barbara Klemm, Inden bei Leukerbad, 2013
Barbara Klemm, Baumstudie, 1991
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