Kaminski, Max

Bis heute sind die starken Kontraste, die phantastischen Körper und vor allem auch die intensiven Farben typisch für die Arbeiten Max Kaminskis (geb. 1938). Durch die malerische, farbliche und räumliche Verdichtung erwirkt Kaminski eine oft theatralisch anmutende Interaktion zwischen den Elementen eines Bildes. …

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…Der Bildraum gewinnt so an suggestiver Tiefe, die das jeweilige Geheimnis zu umklammern scheint. Die menschliche Figur steht dabei im Mittelpunkt seiner expressiven Bilder, hin und her geworfen zwischen der Natur seines Wesens und den Bedingungen, die eine zivilisierte Welt an ihn stellt. Schicksal, Tragik, Freiheit, Traum und Tod bilden den dramatischen Themenkreis seiner Malerei. In seiner Folge unbetitelter Gouachen sind die Figuren in diese Bildwelt eingespannt. Charakteristisch für diese Blätter ist Kaminskis Rückgriff auf eine literarische Vorlage. Der griechische Philosoph Empedokles (483–425 v. Chr.) wird zur Kunstfigur, mit der er sich seit 1996 intensiv auseinandersetzt. Seine Empedokles-Arbeiten lassen sich jedoch nicht als zusammenhängender Zyklus bezeichnen. Denn zum einen ist seine Bezugnahme auf diese Gestalt eine oftmals eher versteckte, in keiner Weise offensichtliche und narrative Reminiszenz und zum anderen ist die Thematik in Kaminskis Werk noch nicht abgeschlossen, sondern dient eher als ›Vorwand‹ für immer neue, immer freiere Kompositionen. Diese künstlerische Auseinandersetzung bleibt im Grunde eben- so fragmentarisch wie das unvollendete Empedokles-Drama von Friedrich Hölderlin, das für Kaminskis Beschäftigung mit der Figur des Empedokles eine prägende Rolle spielt. In den Jahren 1998 und 1999 entstehen zwei unterschiedliche Reihen von Gouachen, in denen Empedokles wiederholt in Bezug zum Ätna gesetzt wird, in den Empedokles sich der Überlieferung nach hineingestürzt haben soll. In diesen Bildern nutzt Kaminski das Motiv des Vulkans als expressiven Ausdruck der zugeschriebenen hohen Emotionalität des Philosophen. Ansonsten aber fehlen den Bildern die Attribute der mythisierenden Verherrlichung. Diesen Umstand verdanken die Arbeiten nicht zuletzt der absichtlichen Desorganisation ihrer Inhalte. Ähnlich wie Hölderlins Fassungen verzichten sie auf kausale Handlungsstränge. Die Lebensgeschichte des Empedokles hat keinen fixierbaren Anfang und kein Ende, das sein Schicksal besiegelt. Es gibt keinen letzten Akt und eben- so wenig ein letztes Bild. Kaminski holt die Linien, Kürzel, Motive, Körper- und Raum- teile zusammen, presst die Flächen und Kanten, staucht die Glieder und bringt die gesammelten Energien mit jeder neuen Figuration explosionsartig zur Entladung. Auf Grundlage der dramatischen Geschichte des Empedokles hat Kaminski somit auch einen ausdrucksstarken Kommentar zu seinem Selbstverständnis als Künstler gegeben: Es gibt keinen Anfang und kein Ende, kein letztes Bild, nur die stete Kraft kreativer Entladung.


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3
4
5

1 Ohne Titel, 1998
Gouache auf Bütten
76 x 55,5 cm

2 Ohne Titel, 1998
Gouache auf Bütten
76 x 55,5 cm

3 Ohne Titel, 1998
Gouache auf Bütten
75,5 x 55,7 cm

4 Ohne Titel, 1998
Gouache auf Bütten
75,8 x 55,6 cm

5 Ohne Titel, 1998
Gouache auf Bütten
75,7 x 55,7 cm

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