Brech, Christoph

Mit seinen Arbeiten spannt Christoph Brech (geb. 1964) einen weiten Bogen von Fotografie, Rauminstallation, Video-Arbeiten bis hin zu Kunst im öffentlichen Raum...

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...Trotz der vordergründigen Eindeutigkeit der oftmals aus dem Repertoire alltäglicher Betrachtung stammenden Motive, besitzen seine Arbeiten ein hohes Maß an Poesie, sie sind vielschichtig interpretierbar und bleiben immer auch etwas geheimnisvoll. Als der Künstler 2003/04 als "Artist in Residence" von Genua mit dem Schiff nach Montréal reiste, fotografierte er an zwölf aufeinander folgenden Tagen vom Schiff aus das offene Meer. Auf diese Weise dokumentierte er - abgesehen von zwei Tagen im St.-Lorenz-Strom - die Etappen seiner Reise, die er bewusst mit dem Schiff machte, um die zurückgelegte Strecke in ihrer Dauer authentisch wahrnehmen zu können und nicht per Flugzeug von jetzt auf gleich in das neue Umfeld katapultiert zu werden. In eine Reihe gehängt, sind die zwölf "Seestücke" wie ein Tagebuch zu lesen. Jede gleichformatige Fotografie steht für einen Moment am Nachmittag eines Tages. Das immer gleiche Motiv erfährt seine Variation durch die Witterung: hell oder dunkel, bewölkt oder klar, unruhiges Gewässer oder stille See. So ziehen die Tage vorüber, einer so lang wie der andere, aber jeder von einer unterschiedlichen Stimmung geprägt. Die von Brechnachträglich begradigte Horizontlinie verweist auf diese (Lebens-)Linie, ohne Anfang und ohne Ende; hier wird sie in einem durch die Reisedauer definierten Ausschnittwahrnehmbar. Der Rhythmus von zwölf Arbeiten impliziert zudem die Monatszahleines Jahres, wodurch die Komposition eine zusätzliche symbolische Komponente erfährt. Während der gleichen Reise entstand auch das Material für Brechs Videoarbeit "Passage", die als kongenialer Kommentar zu den "Seestücken" gesehen werden kann. Die Weite des Meeres tauscht er hier gegen ein mit Wasser gefülltes Glas aus. Die ganze Dynamik der Fortbewegung kulminiert in den Bewegungen und Spiegelungen des Wassers. Brech überlässt hier den permanenten Vibrationen des lauten Schiffsmotors und den Brechungen des diffusen Kajütenlichts die gliedernde kompositorische Arbeit, sowie es bei den "Seestücken" die Wolken und das Meer tun. Der sensible Beobachter Brech gibt diesen Erscheinungen die künstlerische Form, die zurückhaltend, aber konzentriert über das Dargestellte hinausweist.


Serie Seestücke I-XII, 2004
12 Fotografien, C-Print auf Alucobond
je 18 x 40 cm
VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

 

Cielo si Riflette, 2006/2012
Neon-Leuchtstoffröhre
24 x 90 cm
VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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Während seines einjährigem Stipendium in der Villa Massimo in Rom,

verwirklichte Brech einige auf Rom bezogene Arbeiten, darunter Filme,

Fotoserien, ein Rom-Foto-Tagebuch und den Neonschriftzug »Cielo«.

Für die ALTANA Kunstsammlung schuf Christoph Brech 2012 eine weitere,

etwas größere Fassung dieser Arbeit. Als Lichtinstallation im öffentlichen

Raum spiegelt das Schriftbild den natürlichen Himmel, auf den das

Kunstwerk im Zusammenspiel von Bezeichnung und bezeichnetem Objekt

verweist. Brech nutzt den Himmel als »Naturmotiv«, verzichtet aber auf

das Abbilden von Natur. Das umgedrehte »L« deutet darauf hin, dass der

Bezugspunkt dieses Kunstwerkes oben – am Firmament – zu suchen ist.

Das mild leuchtende Blau, das als Farbe der Sehnsucht zur programmatischen

Farbe der Romantik wurde, lädt den Betrachter zur Kontemplation

in der Natur ein.


Nebbia/I, 2006
Farbfotografie auf Aludibond
45 x 61 cm, zweiteilig
VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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