Beckley, Bill

In seiner Fotoserie »Stems«, 2001 entstanden, arbeitet Bill Beckley (geb. 1946) mit den künstlerischen Mitteln der extremen Vergrößerung und des Ausschnitts...

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...Vor jeweils andersfarbigen monochromen Hintergründen zeigt dieser fünfteilige Zyklus Veilchenstängel, die jeweils anders zueinander arrangiert sind. Das Veilchen, eine der kleinsten Blumen, in langer Bildtradition Symbol der Demut und Bescheidenheit, ist hier überdimensional auf zwei Metern Höhe im engsten Bildausschnitt gesetzt. Die neutralen Hintergründe und die Wahl des Ausschnitts lösen die Pflanzen vollständig aus ihrem natürlichen Kontext: Weder Boden, Blätter noch Blüten sind zu sehen, sondern nur jeweils unterschiedlich angeordnete, d. h. komponierte Stängel. Damit werden die Pflanzenteile jeglicher Natürlichkeit beraubt, der reale Gegenstandsbezug wird unkenntlich – die eigentlich konkrete Darstellung wirkt vollständig abstrakt. Perspektivisch vermeint sich der Betrachter in die Größe eines kleinen Insekts versetzt, das auf dem Erdboden zwischen Blumen- und Grasstängeln krabbelt, die Dimensionen werden vertauscht – was klein ist, wird groß, was groß ist, wird klein.
Technisch entstehen diese Arbeiten in einer denkbar simplen Konstruktion: In einem schuhkartonartigen Kasten, der wie ein Puppentheater aufgestellt mit den verschiedensten Hintergründen bestückt wird, hängen die Stängel an der oberen Kante des Kartons an einem dünnen Draht, mit Büroklammern befestigt, in jeweils anderen Formationen.
Auch die Beleuchtung wechselt von Komposition zu Komposition. Mit einer traditionellen Spiegelreflexkamera fotografiert Beckley dann jeweils nur das Innere der »Bühne«, blendet alle Hilfskonstruktionen aus. Diese Vorlagen werden sodann in einem speziellen Labor extrem vergrößert.
Bei seiner Motivfolge »Heroin Trade in Afghanistan« verwendet Bill Beckley dasselbe Verfahren wie bei »Stems«. Erneut zeigen seine großformatigen Fotografien verschieden arrangierte und beleuchtete Blütenstängel – in dieser Serie handelt es sich um die Mohnpflanze.
Beckley inszeniert sie in unterschiedlichen Blütenfarben vor verschiedenfarbigen
monochromen Hintergründen. Angesichts der Schönheit der dargestellten Blumen
irritiert jedoch der Titel des Zyklus »Heroin Trade in Afghanistan«. Der Künstler spielt damit auf den Missbrauch der Natur durch Menschenhand an, speziell auf den Mohnanbau in Afghanistan – Erwerbsquelle für große Teile der Bevölkerung in diesem von Krieg, Armut und Hunger gezeichneten Land und zugleich Todesbringer für tausende von Menschen.


Heroin Trade in Afghanistan - Quandahar, 2004
Cibachrome
205 x 110 cm

 

 

Heroin Trade in Afghanistan #1, 2002
Cibachrome
205 x 110 cm

 

 

1. Stems with blue background, 2001
2. Stems with red background, 2001
3. Stems with yellow background, 2001
4. Station 2, 2001
5. Station 5, 2001

Cibachrome
je 206 x 111 cm

 

 

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