BUCHWELTEN

1. Oktober 2017 bis 4. Februar 2018

Zeitgenössische Künstler, die sich in ihrem Werk mit Natur und Landschaft auseinandersetzen, richten ihren Fokus immer wieder auf das Buch und die Schrift als Ausdrucksform. Aus beschriebenen Seiten oder geschnitzten Büchern werden Landschaften komponiert und aus natürlichen Materialien entstehen Buchobjekte.

Bücher und Schriften eröffnen dem Leser Bilder, Panoramen, geradezu unendlich viele „neue Welten“. Diese Landschaften erkennen die Künstler auch in den Objekten selbst: In deren Bearbeitungen kommen verschiedene naturhafte Szenarien zum Vorschein wie Horizontlinien, Berge, Täler, Schluchten und Wiesen. Märchen und Geschichten finden ihren bildhaften Ausdruck in Skulpturen, die aus den Buchseiten erwachsen oder in Büchern aus Glas, die in ihrer transparenten Anmutung verwunschene Wälder und das tiefe Meer sichtbar werden lassen.
 

Hubertus Gojowczyk, Brandbuch IV, 1972
Lori Nix, Library, 2007
Guy Laramée, The Grand Library, 2012
Su Blackwell, White Flowers, 2017
Alicia Martín, Jardínes, 2017 (Installation Museum Sinclair-Haus)
Peter Wüthrich, Return-here, there and everywhere, 1994
Anselm Kiefer, Mutterkorn, 2010

Das war nun freilich eine merkwürdige Gegend. Alles war aus Büchern. Die Berge, die Tannen, sogar die Blumen waren kleine Büchlein aus rotem Saffian, nicht größer als die Taschenkalenderchen. Wenn man daran roch, dann wußte man gleich eine schöne Geschichte. Auch die Vögel waren Bücher und sangen in Versen von Frühling und Liebe.

Ernst Penzoldt

Gedruckte Textpassagen berühmter literarischer Werke werden in Aquarelle übersetzt, die den Grenzbereich zwischen Wort und Bild überspannen. Werden Wörter oder ganze Sätze auf Buchseiten übermalt, ergeben die stehen gelassenen Worte völlig neue bildstiftende Inhalte und muten wie Wort-Landkarten an.

Auch das zerstörerische Zusammenspiel zwischen dem Buch und dem Element Feuer wird in der zeitgenössischen Kunst reflektiert: verbrannte Bücher werden zu eindrucksvollen Bildern für ihre Gefährdung durch Mensch und Natur.

Ebenso die Frage, ob das Buch ein dauerhafter Begleiter der Menschheit bleibt oder ob es als Kulturgut schon längst „unter Naturschutz“ stehen sollte, beschäftigt die Künstler. So wird das Museum Sinclair-Haus durch diese Ausstellung zu einer universellen Bibliothek, in der unterschiedlichste künstlerische Ausdrucksformen ihren Raum haben.

Künstlerinnen und Künstler: Su Blackwell, Jonathan Callan, Thimo Franke, Hubertus Gojowczyk, Sharka Hyland, Anish Kapoor/Brighten the Corners, Gunther Keusen, Anselm Kiefer, Cornelia Konrads, Alicja Kwade, Guy Laramée, John Latham, Alicia Martín, Michael Merkel, Nanne Meyer, Hannes Möller, Lori Nix, Katie Paterson, Max Schmelcher, Irem Tok, Stephanie Wolff, Peter Wüthrich, Yi Sun

Mit Leihgaben aus der Hohenheimer Holzbibliothek (Xylothek)

PROGRAMMHEFT

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